Xiaomi Mi 9T im Test

Xiaomi Mi 9T im Test

2019 ist das Jahr, in dem Smartphone-Designs wieder spannend werden. Um das gehypte „bezel-less“ Display zu bewerkstelligen, greifen die Hersteller tief in die Technologie-Trickkiste. Chinas Elektronik-Gigant Xiaomi, immerhin weltweit die Nr. 4 am Smartphone-Markt, hat soeben das Mi 9T auf den europäischen Markt losgelassen (international: Redmi K20). Mit einem nahezu rahmenlosem Design – dank Pop-Up Selfie-Cam – samt AMOLED-Display und einem Triple-Kamera-System zu einem äußerst konkurrenzfähigen Preis will man Technikbegeisterte überzeugen. 

Lieferumfang

In der handlichen, ausnahmsweise schwarzen, Box findet man die Standard-Ausstattung eines Smartphones im Jahr 2019. Große (oder kleine) Überraschungen gibt es leider keine.

  • Xiaomi Mi 9T 64GB Smartphone
  • 18W-Fastcharger Ladegerät
  • USB-C / USB-A-Kabel
  • SIM-Tool
  • mattschwarze Schutzhülle

Kopfhörer sucht man hier vergeblich. Das ist allerdings bei einem derzeitigen Verkaufspreis (Stand: 10. Juli)  von rund 350€ absolut verkraftbar.

Design und Verarbeitung

Wie bei praktisch allen aktuellen Smartphones kommt auch beim Mi 9T einen Material-Mix aus Glas und Metall zum Einsatz. Konkret heißt das: Ein Gorilla Glass 5-Display ist in einen Metall-Rahmen eingelassen. Die gesamte Verarbeitung wirkt tadellos und kann sich problemlos mit der teuren „Premium“-Konkurrenz messen.

Das Testmodell in schwarz (carbon black) ist die schlichteste Variante des Mi 9T, auch wenn die roten Farbakzente bei der Kamera und dem Power-Button etwas an „Gaming-Hardware“ erinnern. Wem schwarz nicht so zusagt, der kann auch zu den Farben rot (flame red) und blau (glacier blue) greifen. Schön zu sehen ist dabei, dass sich Xiaomi auch in der Design-Sprache immer mehr vom großen Vorbild Apple distanziert.

Was bei vielen hochpreisigen, selbsternannten Premium-Modellen zumeist fehlt: der Kopfhörer-Anschluss. Xiaomi macht hier (glücklicherweise) nicht mit und legt noch eine praktische, mattschwarze Schützhülle obendrauf. Diese ist auch im Alltag notwendig, denn das Mi 9T rutscht gerne aufgrund des Materials (-> Glas) und des Gewichts (-> 191g) gerne aus der Hand, der Hosentasche oder vom Tisch.

So lobenswert die Beigabe einer Schutzhülle ist, so ärgerlich ist der Gebrauch im Alltag. Nutzt man die Gestennavigation von Xiaomi (MIUI 10, Android 9 „Pie“) reibt der Daumen unangenehm am scharfen Rand der Hülle bei allen Zurück-Wischgesten, die vom Seitenrand des Displays ausgelöst werden. Und das zig-mal am Tag. Hier sollte man nach einer alternativen Hülle Ausschau halten.

Die Druckpunkte der seitlichen Buttons sind – mit oder ohne Schutzhülle – knackig und bieten eigentlich keine Kritikpunkte. Dafür aber leider der Sound, der nur mono tönt und auf der Unterseite angebracht ist, was ein Verdecken des Lautsprechers sehr leicht macht.

Detaillierte Spezifikationen

Betriebssystem Android 9.0
Display 6.39″, 2340×1080 Pixel,

16 Mio. Farben, AMOLED, kapazitiver Touchscreen,

Gorilla-Glas 5, HDR (HDR10)

Kamera hinten 48.0MP, f/​1.75, Kontrast-AF, Phasenvergleich-AF,

Dual-LED-Blitz, Videos @2160p/​30fps, Videos @1080p/​960fps (Kamera 1);

13.0MP, f/​2.4, Weitwinkelobjektiv (Kamera 2);

8.0MP, f/​2.4, Teleobjektiv (Kamera 3)

Kamera vorne 20.0MP, f/​2.2, ausfahrbar, Videos @1080p/​30fps
Schnittstellen USB-C 2.0 (OTG), 3.5mm-Klinke, WLAN 802.11a/​b/​g/​n/​ac,

Bluetooth 5.0 (aptX HD), NFC

Sensoren Beschleunigungssensor, Gyroskop,

Annäherungssensor, Lichtsensor, Kompass,

Fingerabdrucksensor (Display)

SoC Qualcomm SM7150-AA

Snapdragon 730, 64bit

CPU 2x 2.20GHz Kryo 470 Gold

+ 6x 1.70GHz Kryo 470 Silver

GPU Adreno 618
RAM 6GB
Speicher 64GB
Navigation A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Modem GSM (0.2Mbps/​0.1Mbps), UMTS, LTE
Frequenzbänder 2G (850/​900/​1800/

1900), 3G (B1/​B2/​B4/​

B5/​B8),

4G (B1/​B2/​B3/​B4/​B5/​

B7/​B8/​B20/​B28/​B38/​B40)

Netzstandards GPRS, EDGE, HSDPA,

HSUPA, HSPA+, LTE-A

Akku 4000mAh, fest verbaut
Ladeleistung 18W
SAR-Wert 1.341W/​kg Kopf, 1.511W/​kg Körper
Gehäuseform Barren
Gehäusematerial Glas (Rückseite),

Metall (Rahmen)

Farbe schwarz
Abmessungen 156.7×74.3×8.8mm
Gewicht 191g
SIM-Formfaktor Nano-SIM
Gelistet seit

Display

Wenn man den niedrigen Preispunkt bedenkt, ist man verblüfft, was Xiaomi hier bietet: Das 6,39″-AMOLED-Display (FHD+) ist dank HDR-Unterstützung leuchtstark und verleiht dem Gerät eine sagenhafte screen-to-body Ratio von 91,2 Prozent. Da lässt es sich leicht verschmerzen, dass der untere Rand marginal größer ist als der obere.

Gerade beim Betrachten von Videos kann das Display seine Stärken ausspielen, nicht zuletzt durch das Fehlen von jeglichen Kamera-Aussparungen. Verbringt man ein paar Tage mit diesem Display verursacht die Rückkehr zu Displays mit Notch o.ä. fast körperliche Schmerzen. (Ja, ich meine dich, liebes iPhone)

Nur die automatische Steuerung der Displayhelligkeit hat im alltäglichen Gebrauch etwas genervt, da diese zu oft zu stark nachregelt.

Software, Features und Performance

Xiaomi hat für seine Smartphones eine eigene Oberfläche geschaffen, MIUI. Diese Oberfläche weist starke Anpassungen zu „Stock-Android“ auf und erinnert manchmal auch an Apples iOS-Betriebssystem. Gerade deswegen macht es aber auch durchaus Spaß sich mit der Software und den zahlreichen Zusatzfeatures zu beschäftigen. Und auch hier spart Xiaomi nicht, es gibt allerhand nützliche Tools, die gut funktionieren, schön anzusehen sind, aber auch flüssig und stabil funktionieren.

Performance im Alltag

Obwohl im Mi 9T nur ein Snapdragon 730 steckt und damit kein aktueller Top-Prozessor, ist das im Alltag kaum zu spüren. MIUI läuft durchgehend flüssig, Apps starten schnell und schöne Animationen gibt es auch. Sehr selten gibt es kleine Mikroruckler, die aber nicht stören und bei Android-Geräten fast immer auftreten. Auch der optische Fingerabdruck-Scanner im Display ist sehr zuverlässig und schnell.

Auch die Akkuleistung war im Test mehr als ausreichend um zumindest über einen Tag zu kommen – keine Selbstverständlichkeit, wenn man ein Gerät auf Herz und Nieren testet.

Performance bei Gaming

Das große 6,39″ OLED-Display lädt natürlich auch zum Gaming ein. Auch mit der Mittelklasse-CPU lassen sich aktuelle, grafikintensive Games problemlos spielen. Kleine Framerate-Einbrüche gab es zwar gelegentlich bei „Shadowgun Legends“, aber es war zu keinem Zeitpunkt unspielbar. Was eher auffallend war, ist die hohe Hitzeentwicklung des Displays während einer 20-minütigen Spiele-Session.

Dafür bietet Xiaomi eigene Optimierungsmöglichkeiten und Profile für Spiele, sowie nützliche Tools während des Spielens:

Und wer unbedingt z.B. preisevergleichen will während einer Gaming-Session, für den hat Xiaomi sogar einen eigenen Fenstermodus für gleichzeitiges Internetsurfen eingebaut ;)

Kamera

Das Highlight des Mi 9T ist zweifellos die Pop-Up-Kamera, die das rahmenlose Design überhaupt erst ermöglicht. Fährt die kleine Kamera zum ersten Mal aus dem Gehäuse heraus, gibt es einen netten Soundeffekt und ein rotes Aufleuchten. Und natürlich ein innerliches „Wow“. Erfreulicherweise lassen sich die Soundeffekte ändern oder gänzlich deaktivieren. Das Surren des Motors beim Heraus- bzw. Herunterfahren der Kamera ist hörbar, aber leise genug um nicht zu stören. Auf der Oberseite des Pop-Up-Moduls befindet sich noch eine zusätzliche LED, die bei Benachrichtigungen aufleuchtet – leider nur in dunklen Räumen wirklich sichtbar, trotzdem eine nette Idee.

Der 20MP-Sensor (f2.2) der Pop-Up-Kamera kann aber nicht nur durch die einzigartige Mechanik beeindrucken, sondern auch gute (keine großartigen) Selfies schießen mit allen neumodischen Gimmicks, wie Porträt-Modus, Beauty-Effekte aber auch Studiobelichtung, etc.

Dass ein Motor nur eine begrenzte Lebensdauer hat und durch die beweglichen Teile auch wohl anfälliger für Schäden ist, sollte einen nicht überraschen. Angaben zur Haltbarkeit gibt es viele, meist wird von 100x/Tag für 5-6 Jahre gesprochen. Diese Angaben ergeben sich aber aus automatisierten Tests und haben nur begrenzte Aussagekraft in der Realität. Langzeit-Tests gibt es schlichtweg noch nicht. Erfreulicherweise sorgen interne Sensoren dafür, dass zumindest beim Herunterfallen des Smartphones die Pop-Up-Kamera automatisch wieder einfährt um größere Schäden zu verhindern.

Das Triple-Kamerasystem auf der Rückseite weiß durch Vielseitigkeit und Featurevielfalt zu gefallen. Zwar ist leider bei keinem der hinteren drei Sensoren eine optische Bildstabilisierung vorhanden, was sich auch manchmal bei schlechteren Lichtverhältnissen oder unruhigen Händen mit leicht unscharfen Aufnahmen bemerkbar macht. Trotzdem kann man tolle Fotos schießen. Vor allen die Weitwinkelkamera ermöglicht tolle Aufnahmen.

Wer bei schlechten Lichtverhältnissen Bilder schießen will, dem bietet das Mi 9T auch einen Nachtmodus, der der Konkurrenz etwas hinterherhinkt aber trotzdem in einigen Situationen hilfreich sein kann.

Aber auch bei den Videofunktionen liefert Xiaomi ab, alle gängigen, modernen Features sind vorhanden, wie z.B. 960fps-Slow Motion.

Hier noch einige Testfotos, mit Weitwinkel, im 48MP-Kameramodus und Porträtaufnahmen mit Bokeh:

Fazit

Xiaomi hat schon letztes Jahr mit dem Pocophone F1 einen Preiskracher auf den Markt gebracht. Mit dem Mi 9T gelingt dieses Kunststück wieder. Dieses Mal wirkt das Gesamtpaket noch runder und kann dank Top-Verarbeitung, beeindruckendem Display (inklusive quasi rahmenlosem Design) und der Pop-Up-Kamera auftrumpfen. Immerhin ist auch die Triple-Kamera in vielen Situationen überzeugend, auch wenn man manchmal die optische Bildstabilisierung vermisst oder die Kamera-Software etwas zu viel „nachhilft“

Macht das Mi 9T also alles richtig? Für den Preis von rund 350€, lautet die Antwort eindeutig „Ja“. Aber klarerweise kann auch Xiaomi nicht zaubern und es gibt dann doch einige Punkte, bei denen der Sparstift angesetzt werden musste. So gibt es kein Wireless Charging, keine IP-Zertifizierung, nur mittelmäßigen Mono-Sound und keine Möglichkeit den Speicher mittels Speicherkarten zu erweitern. Außerdem wird sich wohl nicht jeder mit MIUI, Xiaomis eigener Android-Skin, anfreunden können, auch wenn die Software prinzipiell alles bietet, was ein Smartphone aktuell braucht. Wer auf diese Features verzichten kann und mit einem relativ großem Gerät keine Probleme hat, bekommt mit dem Xiaomi Mi 9T den wahren Preis-/Leistungskönig 2019.

Gewinnchance

Die Teilnahme war bis zum 30. Juli 16:59 möglich. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer/innen!


Angebote für das Xiaomi Mi 9T



Hinweis: Tekpoint war so freundlich, uns für die Verlosung und für den Test zwei Xiaomi Mi 9T zur Verfügung zu stellen.