Mehr Brennweite durch Minisensor: TELEOBJEKTIVE an der Nikon 1

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Vom ambitionierten Fotografen wird die Nikon-1-Serie wegen ihrer kleinen Bildsensoren oft belächelt. Die Winzsensoren haben aber einen großen Vorteil: Ihr Crop-Faktor 2,7 verwandelt jedes gewöhnliche Teleobjektiv in eine langbrennweitige Superlinse. Und damit sind sie als Zweitkamera auch für DSLR-Fotografen interessant.

Die Nikon-1-Serie

Die Kameras der Nikon-1-Serie sind spiegellose Systemkameras mit Bildsensoren im CX-Format. Ihr Sensor ist gerade einmal 13,2 x 8 Millimeter groß. Im Vergleich mit dem Vollformat ergibt sich dadurch ein Crop-Faktor von 2,7. Ein 100-Millimeter-Objektiv an der Nikon 1 hat also einen Bildwinkel, der einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 270 Millimetern entspricht. Wir haben für diesen Artikel mit der Nikon 1 J5 getestet, das Gehäuse kostet derzeit 340 Euro. Die Einstiegsmodelle der Nikon-1-Serie gibt es schon für rund 200 Euro. In einer ähnlichen Preislage befindet sich auch der Bajonettadapter FT1 (220 Euro) mit dem man Nikon DSLR-Objektive mit F-Bajonett an diese Kameras anschließen kann. Verglichen mit den Summen, die für echte Superteleobjektive aufgerufen werden, ist ein Zweit-Body dieser Klasse also ein echtes Schnäppchen. Vorhandene Objektivfunktionen wie Blendenübertragung und Autofokus bleiben dabei selbstverständlich erhalten. Einzige Einschränkung: Die Nikon 1 J5 verwendet zum automatischen Scharfstellen ausschließlich das mittlere AF-Messfeld.

Man verzichtet bei einer solchen Lösung auf Sensorfläche und gewinnt dabei Brennweite. Unter Normalbedingungen sind auch mit dem kleinen CX-Sensor gute Bildergebnisse möglich. Gravierendere Unterschiede sind bei schlechten Lichtbedingungen zu erwarten, wo ein kleiner Sensor Nachteile hat.

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Bei gleicher Brennweite wird der Bildausschnitt einer Aufnahme von der Größe des Sensors bestimmt. Das CX-Format erfasst nur einen vergleichsweise kleinen Bildwinkel, dadurch ergibt sich der starke Tele-Effekt.

 

Kameras und Kompatibilität

Die Nikon 1 J5 ist das neueste Modell aus der Nikon-1-Serie. Es handelt sich um eine sehr kompakte spiegellose Systemkamera. Ihre Auflösung ist mit 20 Megapixel in Relation zur Sensorfläche sehr hoch. Das Gehäuse ist kaum größer als eine Spielkarte und mit einem klappbaren Touch-Display und klassischen Bedienelementen ausgestattet. Die Nikon 1 J5 hat eine Fokuslupe, die beim präzisen manuellen Fokussieren sehr nützlich ist. Moderne Objektive muss man dafür auf den Fokusmodus M stellen. Mit der Fokuslupe lassen sich aber auch alte Objektive ohne elektrische Kontakte verwenden.

Miniaturisierung und Mechanik

aus c't Fotografie 5/2016
aus c’t Fotografie 5/2016

Die Bilder werden auf winzigen Micro-SD Karten gespeichert. Manchen mag diese Miniaturisierung zu weit gehen, denn das Handling ist fummelig. Wenn die Micro-SD versehentlich herunterfällt, kann dies ein dauerhafter Abschied sein, weil man sie nicht wiederfindet. Durch die kleinen Abmessungen und die leichte Bauweise ist in Verbindung mit schweren Teleobjektiven Vorsicht geboten. Laut Anleitung können Objektive über 380 Gramm das Kamera-Bajonett beschädigen. Wenn man schwere Teleobjektive adaptiert, sollte man die Kamera-Objektiv-Kombi also tunlichst nicht am Kameragehäuse, sondern am Objektiv tragen. Beim Einsatz eines Statives empfiehlt es sich, entweder eine Stativschelle direkt am Objektiv nutzen, oder die Stativbohrung des Adapters zu verwenden.

Geeignete Objektive

Über den Objektivadapter FT1 kann man zwar alle Objektive mit einem F-Bajonett mechanisch anschließen, eine Kompatibilität auch moderner Nikkore mit Nikon-1-Systemkameras ist dadurch aber noch nicht automatisch gegeben. Wie immer empfiehlt es sich, die Firmware seiner Kamera auf den neuesten Stand zu bringen. Bestimmte Kameramodelle wie die Nikon 1 V1 und J1 erkennen mit der ausgelieferten Original-Firmware den Adapter nämlich nicht.

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Diesem Schnappschuss vom Mond sieht man nicht an, dass er mit eher einfachen Mitteln entstanden ist. Die weit entfernten Mondkrater zeichnen sich sauber auf der Oberfläche ab.
AF-S VR 4/300mm | 300 mm (~KB 810mm) ISO 400 | F 7.1 | 1/88 s

Auf der deutschen Nikon-Webseite beschreibt der Hersteller im Support-Bereich (Artikel Verwendung des Bajonettadapters FT1 mit Nikon-1-Kameras) mit welchen Einschränkungen man zu rechnen hat. Die automatische Scharfstellung funktioniert generell nur mit AF-S-Objektiven. Kurios: Wer Aufnahmen mit einer Belichungszeit von über einer Sekunde erstellen möchte, kann das nur mit 1-Nikkor-Objektiven. Nikon hat für die hauseigenen Objektive eine Kompatibilitätsliste herausgegeben, die im erwähnten Support-Artikel auch verlinkt ist. Derzeit sind dort immerhin 91 Objektive als kompatibel zu Nikon-1-Kameras gelistet. Die Bandbreite reicht vom einfachen Standardzoom (AF-S DX 18-55mm f/3.5-5.6G VR II) bis zum teuren Supertele (AF-S 800mm f/5.6E FL ED VR).

Sonderfall Nikon 1 J5

Bei der von uns getesteten Nikon 1 J5 sind allerdings zusätzliche Einschränkungen zu beachten. Es gibt nämlich eine weitere Liste mit 29 Objektiven, die zwar generell mit Nikon-1- Kameras, aber eben nicht mit der Nikon 1 J5 zusammenarbeiten. Auf dieser Ausschlußliste sind vor allem sehr langbrennweitige und teils auch hochlichtstarke Objektive (z.ˇB. AFS 400mm f/2.8D IF-ED II). Das für ein Supertelezoom eher preiswerte AF-S 200-500mm f/5.6E ED VR (Straßenpreis 1400 Euro) ist auch auf der Liste vertreten. Wenn man es trotzdem anschließt, gibt es eine Fehlermeldung per Display.

Nicht gelistete Objektive

Es gibt eine Vielzahl weiterer Objektive, die in der Kompatibilitätsliste zwar nicht auftauchen, möglicherweise aber trotzdem mit Nikon-1-Kameras zusammenarbeiten. Dazu zählen beispielsweise alle Fremdhersteller- Objektive und Exoten, die sich nur über T2- Adapter an die Nikon-1 anschließen lassen. Wir haben zu Testzwecken per T2-Adapter ein Teleskop mit ED-Optik und 600 mm Brennweite an die Nikon 1 J5 angeschlossen. Diese Kombination ist durchaus sinnvoll nutzbar. Die manuelle Scharfstellung wird durch die Fokuslupe der Nikon 1 J5 unterstützt und die Belichtungsmessung findet mittig statt. Auch an einem manuellen Balgengerät mit Makrooptik zeigen sich keine Einschränkungen. Es lohnt sich also, nicht offiziell unterstützte Kombinationen zu testen. Unser Eindruck war, dass Objektive der Kamera konkret melden müssen, wenn sie nicht mit ihr zusammenarbeiten. Ansonsten scheint es zu funktionieren.

Bei Flugzeug-Aufnahmen macht sich die Brennweitenverlängerung durch den kleinen Sensor besonders bemerkbar
Bei Flugzeug-Aufnahmen macht sich die Brennweitenverlängerung durch den kleinen Sensor besonders bemerkbar

 

Die richtige Aufnahmetechnik

Das Fotografieren mit Supertele-Objektiven ist technisch sehr anspruchsvoll. Durch den extrem kleinen Bildwinkel ist die Gefahr eine Aufnahme versehentlich zu verwackeln groß. Gerade bei größeren Aufnahmedistanzen können Lufttrübungen die Qualität des Fotos spürbar beeinträchtigen. Für gute Bildergebnisse sollte man bei der Aufnahme entsprechende Sorgfalt walten lassen.

Fotografieren mit Stativ

Lange Brennweiten gehören auf ein Stativ. Das empfiehlt sich auch für die Nikon 1 J5 schon mit einem 300-mm-Teleobjektiv. Der Bildstabilisator im Objektiv arbeitet zwar erstaunlich effektiv, aber 810 mm kleinbildäquivalente Brennweite sind selbst bei ausreichend Licht eben nur schwer zu bändigen. Der aufgenommene Bildausschnitt ist so klein, dass es schwierig ist, die Kamera mit starker Telewirkung über ein kleines rückwärtiges Display freihändig auf Motive zu richten und den Bildausschnitt beizubehalten. Spätestens mit einem zusätzlichen Telekonverter konnten wir zum Test auf das Stativ nicht mehr verzichten.

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Nikon 1 J5 mit Nikkor AF-S 4/300mm und Telekonverter TC-14E III auf einem Stativ.

Neben einem soliden Stativ braucht man auch einen stabilen Stativkopf, der für lange Brennweiten geeignet ist. Den einfachen Kugelkopf sollte man zu Hause lassen, denn bereits beim Anziehen der Feststellschraube verändert sich die Ausrichtung. Bei kürzeren Brennweiten ist der Effekt vernachlässigbar, aber bei 800 mm ist selbst ein minimaler Versatz fatal. Die Kamera ist dann nicht mehr auf den gewünschten Bildausschnitt gerichtet und muss erneut ausgerichtet werden.

Kontrolliert und stressfrei fotografiert und filmt man mit einem Fluid Videoneiger. Gute Modelle sind ab 150 Euro zu haben und erlauben eine weiche ruckelfreie Bewegung. Dank der einstellbaren Friktion bleibt die Kamera nach dem Ausrichten auf das Motiv gerichtet. Wir haben mit dem Sirui VH-10 Fluid Videoneiger gearbeitet, der mit einem Straßenpreis von rund 200 Euro allerdings auch seinen Preis hat.

Fotografieren ohne Stativ

So sinnvoll ein Stativ auch ist, es geht zur Not auch ohne. Wer freihand arbeitet und die Kamera dabei gut abstützt, kommt auch so zu ordentlichen Bildergebnissen. Wir konnten mit etwas Übung und ruhiger Hand das 70-300mm AF-S Telezoom mit Bildstabilisator und kurzen Belichtungszeiten auch ohne einsetzen. Verglichen mit einem Stativ ist speziell am langen Brennweitenende natürlich mit einer höheren Ausschussquote durch Verwackeln zu rechnen.

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Mit der Kamera auf Augenhöhe misslingen viele Teleaufnahmen, weil die Kamera nicht einmal ruhig genug gehalten werden kann, um das Motiv im Sucher zu behalten.
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Auf eine Hand gelegt vor dem Bauch ist die Kamera ruhiger zu halten. Die Trefferquote steigt etwas, auch wenn diese Haltung nicht vollkommen stabil ist.
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Am besten stützt man die Hand mit der Kamera an einem festen Gegenstand ab. So gelingen Fotos ohne Verwackeln und man kann das Motiv besser im Sucher behalten.

Selbstauslöser mit Vorlaufzeit

Beim Fotografieren von einem stabilen Stativ wird der Bildstabilisator ausgeschaltet. Bei starker Telewirkung ist es sinnvoll, zwischen dem Druck auf den Auslöser und der eigentlichen Belichtung einige Sekunden verstreichen zu lassen, damit Schwingungen, hervorgerufen durch die Berührung, abklingen. An der Nikon 1 J5 kann man einen Selbstauslöser entsprechend programmieren. Nervig: Die Einstellung bleibt immer nur für ein Bild erhalten. Hier könnte Nikon nachbessern. Alternativ kann man die Kamera mit Nikons App Wireless Mobile Utility drahtlos über ein Smartphone auslösen. Sie ist kostenlos bei iTunes für Apple und im Google Play Store für Android zu erhalten. Die universelle drahtlose IF-Fernbedienung Nikon ML-L3 funktioniert leider nicht mit der Nikon 1 J5.

Sinnvolle ISO-Bereiche

Die Empfindlichkeitseinstellung der Nikon 1 J5 beginnt bei ISO 160 und endet bei ISO 12800. In der Praxis liefert der kleine 20 Megapixel Sensor bis ISO 400 eine überraschend gute Bildqualität. Sogar mit ISO 800 gelingen ordentliche Bilder, wenn man sie nicht unterbelichtet. Alles darüber hinaus ist mit Abstrichen verbunden. ISO 400 ist allerdings schon empfindlich genug, um bei Tageslicht mit kurzen Belichtungszeiten zu fotografieren.

 

Fazit

Kleine Kamera statt langer Linse: Mit einer Nikon 1 kann man jedes Teleobjektiv in ein Supertele verwandeln. Durch ihr geringes Gewicht und die überschaubaren Kosten spricht vieles für ein Nikon-1-Zweitgehäuse. Wer von einer DSLR umsteigt, muss aber verschiedene Einschränkungen akzeptieren.

Die Bildqualität des kleinen Sensors ist natürlich nicht auf dem Niveau größerer Sensoren. Unseres Erachtens ist der Unterschied bei normalen und mittleren Empfindlichkeiten aber vernachlässigbar gering. Beim Handling kann es je nach Aufnahmesituation gravierendere Einschränkungen geben. Die Dunkelpause des Displays nach einer Aufnahme ist zu lang, um sich bewegende Objekte wie landende Flugzeuge oder fliegende Vögel bei einer Aufnahmeserie sicher verfolgen zu können. Eine DSLR ist einer Nikon 1 J5 in solchen Fällen immer haushoch überlegen.

Der Autofokus der Nikon 1 J5 nutzt mit dem Adapter FT1 und DSRL-Objektiven zudem nur das mittlere Messfeld. In den meisten Aufnahmesituationen reicht das, bei außermittigen Motiven kann diese Einschränkung gelegentlich stören. Bei langen Brennweiten ist der Autofokus ohnehin viel zu träge, um sich rasch bewegende Motive im Nahbereich sicher einzufangen. Wir scheiterten beispielsweise daran, ein auf die Kamera zuspringendes Eichhörnchen scharf abzulichten. Schwaches Licht bringt den Autofokus ebenfalls an Grenzen.

Es hängt also von den Motiven ab, ob man mit den Teleobjektiven an der Nikon 1 erfolgreich arbeiten kann oder nicht. Wenn man die Einschränkungen des Systems berücksichtigt, dann kann man gute Bild ergebnisse erzielen. Wir konnten bei unserem Praxistest in der Natur, am Flughafen und am nächtlichen Sternenhimmel schöne Fotos schießen. Jedes dieser Bilder wäre mit einer Vollformat-DSLR und einem gewichtigen Supertele möglicherweise noch etwas besser geworden. Aber wie heißt es so schön: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.

Der Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe der c’t Fotografie 5/2016

Photo addict Part V – Smartphones oder DSLR

Unter den 5 beliebtesten Kameras in der Flickr Community (Stand 3. Juli 2015) befindet sich keine einzige DSLR. Selbst wenn man sich die Statistik der beliebtesten Kameramarken ansieht, rangiert auf Platz 1 kein namhafter Kamerahersteller, sondern Apple. Erstaunlich, nicht wahr? Haben iPhones doch weitaus weniger Megapixel als die Konkurrenten von Samsung oder Sony.

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Es ist offensichtlich

Quelle: https://www.flickr.com/cameras (3. Juli 2015)
Quelle:  http://www.flickr.com/cameras Stand: 3. Juli 2015

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter. Tragen wir es einmal nicht bei uns, fühlen wir uns hilflos. Währenddessen man die DSLR extra einpacken muss. Das ist mühsam und überhaupt lassen manche ihre Spiegelreflex lieber zu Hause. Gar nicht vorzustellen, wenn der teuren Kamera etwas passiert! Ein grauenhafter, und meiner Meinung nach, völlig absurder Gedanke. Wozu kauft man sich denn einen Fotoapparat, wenn man ihn nicht benutzt bzw. benutzen möchte? Natürlich soll man darauf aufpassen, aber man darf auch nicht vergessen, dass die Apparate nicht zuletzt dafür gemacht sind, um mit ihnen auf Tour zu gehen oder, um kleine Stöße zu überstehen. Weiterlesen

Photo Addict Part IV – Blende öffne dich!

ƒ3.5-5.6, ƒ2.8, ƒ1.8, oder gleich ƒ1.2? Es ist wie die Frage nach den Pferdestärken. „Meiner hat 150PS“, aber braucht man diese Power wirklich oder kann sie einem sogar zum Verhängnis werden?

Ich distanziere mich gleich zu Beginn von einem sehr hartnäckigen Gerücht: von jenem das besagt, dass Aufnahmen nur durch eine geöffnete Blende „schöner“ werden. Dennoch bringt eine niedrige Zahl neben dem ƒ den ein oder anderen Vorteil.

Im folgenden Fotografie-Artikel setze ich einen Hauch von Grundverständnis für Blenden/Stops (ƒ1:X) voraus. Wenn Ihr einen eigenen Artikel zu diesem Thema lesen möchtet, lasst es mich via Twitter  oder in den Facebook Kommentaren wissen.

Wieso, weshalb, warum?

In der Regel beginnen viele mit einem Kit-Objektiv, ergo ƒ3.5 bei minimaler Brennweite (mm) und ƒ5.6 bei maximaler Brennweite. Konkret bedeutet das: man verliert bei maximaler Brennweite mehr als die Hälfte an Licht – 4/3 um genau zu sein. Beim Zoomen trifft daher weniger Licht auf den Sensor, was dazu führt, dass sich die Kamera, beim Scharfstellen schwerer tut. Und je dunkler das Motiv, um so schwieriger wird es für die Kamera.

Dabei ist es die Schärfe, die den sichtbaren Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Blende macht. Denn je nach Blende bekommt man mehr oder weniger Tiefenschärfe.

Deswegen besitzt man doch eine DSLR! Oder …?

Natürlich verleiht der Kontrast zwischen scharf und unscharf dem Bild das gewisse Etwas. Aber wie ihr auf dem folgenden Bild meiner Katze erkennen könnt, bewegt man sich auf einem schmalen Grad, wenn man die Blende weit geöffnet hat. Seine Augen sind beispielsweise gestochen scharf während die Nase bereits unscharf ist.

Vergleich1/100sek, ƒ2.8, ISO 1000, 39mm mit Canon EOS 6D + EF 24-70mm 2.8 II L USM (5175B005)

Ist von ƒ2.8≤ abzuraten?

Absolut nicht, denn es sind vier Faktoren die bei der Tiefenschärfe eine Rolle spielen: Blende, Brennweite, Sensorgröße und Distanz. Man darf auch nicht vergessen, dass die Fotografie eine Kunst ist. Dort gibt es zwar Regeln aber doch nur um sie zu brechen, vorausgesetzt man versteht sie. Aus diesem Grund gibt es auch Objektive mit ƒ1.8, ƒ1.4 und ƒ1.2. Weiterlesen

Photo Addict Part III – Aus den Augen, aus dem Sinn

Ob mit 60° oder 40°, Koch- und Buntwäsche oder im Pflegeleicht-Programm: Wo sich unsere Schmutzwäsche wohlfühlt, tun es andere Dinge weniger. Vielleicht kennt der eine oder andere diesen Moment, wenn man nach dem Waschen seine Speicherkarte in der nassen Hosentasche findet.

Diese kleinen verflixten Dinger werden oftmals nicht nur vergessen sondern auch vielmals unterschätzt. Dabei ist die Speicherkarte eine der wichtigsten Komponenten – ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und befördere sie zur wichtigsten des photo addicts.

Variationen gibt es von ihr wie Sand am Meer – große, kleine, schnelle, langsame, in jeder Farbe, mit sowie ohne Extras – und all das ist gut so! Denn die Entscheidung zur richtigen Speicherkarte sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Schließlich werden darauf jene Daten, ergo Fotos, gespeichert die unserem ach so tollen Equipment, wofür wir auch gerne mal einen Euro mehr als weniger ausgeben, einen Sinn geben. Kommt es dann allerdings zu dieser Komponente, dann soll sie möglichst billig sein. Der Rest war immerhin schon teuer genug, richtig? Weiterlesen

Photo Addict Part II – 150 Megapixel Panorama

Packt Eure Kamera ein, denn die kommenden Tage versprechen ein astreines Wetter – und zwar von früh bis spät. Perfekte Voraussetzungen also, um sich ein Plätzchen für ein Panorama zu suchen. Das Zusammenfügen der Fotos überlassen wir der Software; vor allem mit dem neuen Lightroom CC/6 geht das nun einfacher denn je!

Egal ob und welche Erfahrungen Ihr mit Panoramaaufnahmen bis dato gesammelt habt, ich empfehle euch in den nächsten Tagen einen (weiteren) Versuch zu wagen. Mittlerweile ist es ein Kinderspiel die einzelnen Bilder zusammenzufügen. Die Challange ist daher nur noch die Aufnahme selbst (darum geht es hier) und am Ende bekommt Ihr vielleicht auch ein Bild mit über 100 Megapixel!

Ausrüstung

Egal ob eine geplante oder spontane Panoramaaufnahme bevor steht, ein Stativ kann nie schaden – ist allerdings kein Muss! Denkt euch daher bitte nicht „Ich würd‘ ja gern, hab aber kein Stativ dabei“. Mittlerweile kompensieren die Programme wie Lightroom und Co. auch Höhen und Winkelunterschiede bis zu einem gewissen Grad sehr gut. Ob DSLR, Digicam, oder Smartphone spielt ebenso keine Rolle, die meisten aktuellen Smartphones verfügen bereits über eine Panoramafunktion, die bei manchen besser und bei manchen schlechter funktioniert. Fakt ist allerdings, dass ihr durch das nachträgliche Zusammenfügen der Bilder eine höherauflösende Aufnahme bekommt, da durch die Pano-features und Apps die Bilder meistens verkleinert oder komprimiert werden.

Wann und Wo

Ob mitten in der Stadt oder auf dem Berg, Panoramas kann man (fast) überall schießen. Da uns eine handvoll schöner Tage bevorstehen empfehle ich euch, Aufnahmen in höhergelegenen Gegenden zB während des Sonnenaufgangs bzw. Sonnenuntergangs zu versieren. Ihr verleiht euren Bildern somit auch gleich das gewisse Etwas, denn viele kennen zwar den Ausblick unter Tags aber kaum jemand am Morgen oder Abend. (Stichworte: golden hour & blue hour)

Zu wissen wann und in welcher Himmelsrichtung die Sonne auf bzw. untergeht ist beim Trip auf den Berg, die Aussichtsplattform o.Ä. das Um und Auf. Es gibt zwei einfache Methoden diese Informationen herauszufinden: entweder man besucht die Location vor dem Shooting – im selben Zug könnt ihr gleich planen wo Ihr euch hin platziert – oder Ihr macht euch das Internet zu nutzen. „The Photographer’s Ephemeris“ ist für diesen Zweck eine sehr empfehlenswerte Bezugsquelle. Sie stellt einem alle denkbaren Informationen zu Auf- und Untergang zur Verfügung, ganz gleich ob gestern, heute, morgen, Sonne oder Mond.

Los gehts!

Nun steht Ihr hinter der Kamera mit dem Blick auf Euer Motiv, dabei gilt es folgende Punkte zu beachten:

  • Hochformat  – Dadurch bekommt eure später zusammengeführte Aufnahme noch mehr BildpunkteHow-to-pano
  • Überlappen – Die einzelnen Bilder müssen sich überlappen; jede Software benötigt unterschiedlich viel Überschneidung – mit mind. 25% könnt Ihr allerdings nichts falsch machen.
  • Einstellungen – Achtet auf gleichbleibende Einstellungen -> selber Zoom, selber Fokus, selbe Belichtung und selber Weißabgleich (Letzteres ist bei RAW Aufnahmen irrelevant)
  • Standpunkt– Bleibt immer auf dem selben Punkt stehen und achtet bei der Drehung auf eine gleichbleibende Höhe. Das ist zwar  beim Fotografieren mit Stativ selbstverständlich, aber mit freien Händen umso wichtiger.

Wenn ihr alle Punkte beachtet könnte das Ergebnis wie folgendes aussehen und 143 Megapixel besitzen.

Panoramaaufnahme vom Kahlenberg Ⓒ Armin Fuchs