Marvel’s Spider-Man im Test

4 Jahre ohne ein neues Spider-Man Spiel, das gab es nur in den ’80er Jahren. Kann Insomniacs exklusiver Playstation 4 Titel die hohen Erwartungen erfüllen oder folgt ein Absturz in die Häuserschluchten Manhattans?

Die Fahrtrichtung wird nach der Intro-Sequenz sofort vorgegeben. Schwingen über die Insel von Manhattan in atemberaubender Geschwindigkeit und Prügeln mit Stil und Eleganz.

Gut geklaut, ist halb gewonnen. Hier das Kampfsystem und eine surreale Albtraum Sequenz aus der Batman Arkham-Reihe, dort das Hacking Mini-Game aus Bioshock und zum Drüberstreuen noch ein paar, fast schon episch anmutende Actionsequenzen die nur durch einige wenige Quick-Time-Events etwas an Fahrt verlieren. Abgedroschene Lebensweisheiten bewahrheiten sich halt doch immer wieder.

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„Be greater“

Insomniac verschwendet keine Sekunde mit langwierigen Erklärungen zur Entstehungsgeschichte und wirbelt die bestehende ordentlich mit auf. Peter Parker krabbelt bereits seit 8 Jahren an New Yorks Fassaden herum, hat mit seinem kanonischen Beruf als Fotograf des “Daily Bugle” abgeschlossen, jobbt nun eher schlecht als recht als Assistent des genialen Doktor Otto “Doc Ock” Octavius und verarbeitet die Trennung seiner Langzeit Freundin Mary-Jane Watson. Diese widerrum arbeitet nun als investigative Journalistin bei Peters ehemaligem Arbeitgeber.

Mit einer perfekten Mischung aus Spider-Nerd und Andrew Garfields etwas dümmlichen Schönling setzt Yuri Lowenthal seinen Spider-Man/Peter Parker gekonnt in Szene. Auch Laura Bailey als Mary-Jane Watson und Nancy Linari als Tante May stehen der schauspielerischen Leistung in nichts nach. Etwas farblos und fast schon langweilig wirken jedoch die Superschurken – es fehlt ein charismatisch in Szene gesetzter Bösewicht.

Die deutsche Synchronisation konnte leider nicht getestet werden, da die uns vorliegende UK Version nur englisch, sowie russische und polnische Sprachausgabe unterstützt. Diese kann jedoch nur über ein Umstellen der Systemsprache der PS4 eingestellt werden. Danach noch schnell einen Patch im Umfang von ca. 1 GB heruntergeladen und schon schwingt es sich auf Polski. Selbst Untertitel sind abhängig von der aktiven Systemsprache und der gekauften Version. Einen Punkt im Menü oder optionale Sprachpakete im PSN-Store sucht man vergeblich.

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„With great power…“

So kämpft und schwingt man sich von einer Story-Mission zur nächsten, wirklich zünden will die klischeehafte Geschichte jedoch nicht. Hier haben sich die Designer und Schreiber merkbar mehr Mühe bei den Nebenmissionen und -aktivitäten gegeben. Zu jedem der 53 Sammelgegenstände erzählt Peter wie es etwa dazu kam, dass ein Spider-Man Merchandise-Vertrag für Plüschtiere nicht zu Stande gekommen ist oder gestaltet in unterhaltsamen Selbstgesprächen seine eigene Fan-Fiction als “Spider-Cop” – halb Spinne, halb Mann, aber ein ganzer Cop!

Ein Action-Spiel braucht jedoch noch mehr als nur ein nettes Drumherum. Das Kampfsystem fühlt sich sofort altbekannt an. Kombo-Angriffe, Kontern, Ausweichen und eines der unzähligen Gadgets. Das ganze macht sehr schnell “Klick”, der richtige Rhythmus wird jedoch immer wieder unterbrochen. Zu unübersichtlich und weit verstreut schlagen und schießen die Gegnerhorden auf einen ein, Prompts erscheinen manchmal aus unerfindlichen Gründen nicht und selten aber doch hängt die Kamera irgendwo unter der Erde oder im nächstgelegenen Wolkenkratzer fest. Diese Momente kommen selten, aber merkbar oft vor und man fühlt sich an vielen Stellen oft der Kontrolle entzogen, die einem zum Superhelden machen sollte.

Ein Neustart der Kämpfe oder eine der unzähligen Ablenkungen Manhattans tragen das Geschehen dann doch wieder meistens in die richtige Bahn.

Abwechslung fehlt auch bei den Boss-Kämpfen die immer nach Schema F ablaufen. Schwingen mit R2, ausweichen mit O. Danach ein paar Sekunden um den Gegner Schwingen und ihm mit L1 + R1 – meistens – einen Betronbrocken ins Gesicht zu donnern. Nach ein ein paar Sekunden Nahkampf geht es dann wieder von vorne los.

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“ …comes great responsibility“

Während der 3 Story-Akte werden, wie in jedem anständigen Open-World-Spiel, regelmäßig neue Nebenaktivitäten freigeschalten. Sucht man am Anfang noch in der Stadt verstreute Rucksäcke, kommen über den von Spider-Man angezapften Polizeifunk gleich die ersten Hilferufe nach entführten Personen, Drogen-Deals und Überfällen. Später werden Manhattans Wahrzeichen fotografiert, Aufgaben des “Taskmasters” absolviert und gegnerische Stützpunkte von den Handlangern der Bösewichte gesäubert.

Diese Zerstreuungen vom Hauptweg dienen nicht nur der Jagd nach der (einfach zu erreichenden) Platin-Trophäe, sondern sind auch eng mit dem Upgrade System verbunden. Gadgets und Kostüme werden über Fortschritt in den insgesamt 6 Kategorien freigeschalten und weiterentwickelt. Spinnenminen, elektrisch geladene Netze und weitere Spielereien sind in Sekunden ausgewählt.
Sind Kostüme in den vielen anderen Spielen meist nur kosmetischer Natur, bringen 24 der 28 teils doch extremen Verwandlungen noch eigenartige Fähigkeiten mit, welche das Spielgeschehen mitunter stark beeinflussen. Sehr gut gelöst ist jedoch die Trennung von Kostüm und Fertigkeit. Einmal freigeschalten, kann man beides kombinieren, wie es einem am besten gefällt.

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Puddle- und Suitgate

Ein erfahrenes, externes Studio. Eine solide und schon auf der Xbox One erprobte Engine. Viel Bühnenpräsenz auf Spielemessen. Schon seit der ersten Vorstellung während der E3 2016 merkt man, dass Sony nichts anbrennen lassen möchte. Und doch kam es kurz vor Release zur nächsten Downgrade-Diskussion. Stein des Anstoßes, Pfützen, die aus der Presse-Demo entfernt worden sind und detailärmere Kostüme. Im Spiel merkt man davon jedoch nichts. Schatten und Reflektionen im Wasser, sowie an den Fassaden der Wolkenkratzer sehen im Vorbeiflitzen detailliert und realistisch aus und lassen die Umgebung lebendig wirken. Die Ausleuchtung der Straßen, vor allem bei Missionen, die am frühen Abend spielen, gehören zu den visuellen Highlights.
Negativ fällt leider die Anzahl an unterschiedlichen NPCs auf. Jede gegnerische Gruppe besteht – wie auch bei den Open-World-Kollegen von Assassin’s Creed und Batman – aus den immer selben Klonen.

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Fazit – Unterhaltsam mit Abzügen in der B-Note

In der obersten Liga der PlayStation exklusiven Spiele schwingt Spidey zwar noch nicht mit, aber mit einem weniger hakligen Kampfsystem und einer mitreissenderen Story können Sony und Insomniac in Zukunft einiges aufholen.

Detailverliebt, aber mit kleinen Schwierigkeiten und technischen Fehlern, die sich leider auf Spielfluss auswirken, macht Marvel’s Spider-Man dennoch über die komplette Länge Spaß. Die Insel von Manhattan ist gekonnt nachgebaut und man ertappt sich immer wieder beim minutenlangen Schwingen durch Downtown oder dem Central Park. Das eigentliche Hauptziel verliert man hier gerne mal aus den Augen. Wer schon einmal im Big Apple zu Besuch war, wird auch ohne Karte nicht die Übersicht verlieren und sich für ca. 20-25 Stunden im Kampf gegen die Sinister Six stellen.

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Und wie geht es weiter?

Für spielbaren Nachschub sorgt die 3 teilige DLC Mini-Kampagne „Die Stadt, die niemals schläft“, die bis Dezember 2018 vollständig veröffentlicht wird und in der Deluxe Version bereits enthalten ist. Käufer der Standard-Version werden nochmal mit 20€ extra zur Kasse gebeten. Der bereits obligatorische New Game Plus Modus bekommt derzeit von Insomniac noch den letzten Schliff verpasst und wird wie bei Sony’s letztem großen Spiel, God of War, als kostenloser Patch bald nachgereicht. Und eine Fortsetzung wurde auch schon angeteasert.

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Marvel’s Spider-Man (PS4) bei Geizhals

Marvel’s Spider-Man – Special Edition (PS4) bei Geizhals

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