Ghost Recon Wildlands – It’s boring to go alone!

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Ein südamerikanisches Land unter der Kontrolle eines Drogenkartells + eine US-Eliteeinheit, die das Kartell auflösen soll = bombastische Action für vier Spieler. So lautet die Gleichung von Ubisofts Anfang März erschienenem neuen Ableger der Ghost-Recon-Serie. Offen bleibt nur die Frage: Geht diese Gleichung auf?

Tom Clancy ist für Videospiele, was Rosamunde Pilcher für das Sonntag-Nachmittag-Programm öffentlich-rechtlicher Fernsehsender ist – wahlweise geliebt oder gehasst, in jedem Fall aber eine etablierte Größe. Sei es Rainbow Six, Splinter Cell oder The Division – den meisten Spielern dürften Spiele mit Tom-Clancy-Lizenz ein Begriff sein. Auch die Ghost-Recon-Serie fällt in diese Kategorie und mit Ghost Recon Wildlands hat Ubisoft Anfang März nach längerer Pause einen neuen Ableger der Taktik-Shooter-Reihe veröffentlicht.

Die Geschichte von Ghost Recon Wildlands ist in Bolivien angesiedelt, wo ein Drogenkartell mit dem Namen Santa Blanca so einflussreich wurde, dass es mittlerweile das ganze Land kontrolliert. El Sueño, der Boss des Santa-Blanca-Kartells begeht jedoch den Fehler, einen US-amerikanischen DEA-Agenten zu töten, was die namensgebende vierköpfige Eliteeinheit auf den Plan ruft, um in Bolivien für Ordnung und das Ende des Kartells zu sorgen. Wie jede gut strukturierte kriminelle Organisation, ist auch das Santa-Blanca-Kartell streng pyramidenförmig aufgebaut, was bedeutet, dass nach einer Reihe von Handlangern zuerst vier wichtige Unterbosse ausgeschaltet werden sollen, bevor El Sueño eliminiert werden und die bolivianische Bevölkerung wieder in Frieden leben kann. Das klingt nach B-Movie und fühlt sich im Spiel auch durchwegs so an – inklusive schlecht geschriebener Dialoge und einigen Aussagen mit Fremdschäm-Potenzial.

Ghost Recon Wildlands präsentiert mit Bolivien eine nach und nach zugängliche und recht große Open World. Wie man es von anderen Spielen von Ubisoft bereits gewöhnt ist, ist die ganze In-Game-Karte mit zahlreichen kleinen Icons übersät, die für zusätzliche Aufträge oder Hintergrundinformationen stehen – je nachdem, wie interessiert man an solchen Beschäftigungsmöglichkeiten ist, lässt sich damit durchaus viel Zeit verbringen.

 

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Egal, ob Haupt- oder Nebenmissionen, in Ghost Recon Wildlands zieht man immer zu viert ins Gefecht. Spielt man online, werden fehlende Teammitglieder durch KI-Mitspieler aufgefüllt – offline zieht man alleine mit drei KI-Mitspielern los. Die Aufgabenstellungen lassen sich in drei Kategorien einteilen – so müssen wahlweise Orte infiltriert, komplette Gegnergruppen ausgeschaltet oder bestimmte Punkte vom eigenen Team gehalten werden. Grundsätzlich gibt das Spiel außer den Aufgabenstellungen keine weiteren Einschränkungen vor. Ob das eigene Team also versucht, eine gegnerische Basis zu infiltrieren, ohne bemerkt zu werden oder direkt vor den Toren das Feuer eröffnet und alle Gegner ausschaltet, bleibt den Spielern überlassen. So ergeben sich teilweise sehr kreative Herangehensweisen an die Aufgabenstellungen, vorausgesetzt man spielt mit menschlichen Mitspielern zusammen – die KI-Mitspieler lassen sich hier zu wenig frei kommandieren.

Die Shoot-Outs in Ghost Recon Wildlands fühlen sich für einen Taktik-Shooter überraschend locker an – das Aiming funktioniert präzise und die einzelnen Waffentypen unterscheiden sich spielerisch klar voneinander. Das Spiel verzichtet auf taktische Planungstools und fühlt sich dadurch im Grunde wie ein klassischer Shooter an, was für leichtere Zugänglichkeit sorgt. Wer möchte, kann zwar nach wie vor versuchen, taktisch vorzugehen und Gegner mittels Drohne ausmachen und für das weitere Vorgehen markieren – zumindest im normalen Schwierigkeitsgrad ist das aber für den Erfolg nicht zwingend nötig. Die KI-Mitspieler verhalten sich durchwegs nachvollziehbar, bei den Gegnern kommt es aber zu gelegentlichen Totalaussetzern. Vielleicht ist ihre Wahrnehmungsfähigkeit bedingt durch den Konsum der eigenen Drogen bereits zu stark eingeschränkt – wenn einige Meter neben einem Gegner aber ein Kollege tot umfällt weil ihn ein Scharfschütze getroffen hat, würde man doch zumindest eine Reaktion erwarten. Solche Aussetzer sind zwar eher die Ausnahme, stören aber den ansonsten positiven Eindruck, den das Kampfsystem hinterlässt.

 

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Wie bereits durch andere Vertreter des Genres etabliert, sammelt man auch in Ghost Recon Wildlands durch den Abschluss von Missionen Erfahrungspunkte, mit denen später neue Fähigkeiten, wie etwa die Möglichkeit, aus einem Helikopter per Fallschirm abzuspringen oder Verbesserungen im Handling der Waffen, freigeschalten werden können. Daraus ergeben sich Schritt für Schritt neue und kreativere Möglichkeiten zur Herangehensweise an die Aufgabenstellungen der jeweiligen Missionen.

Und genau in dieser Kreativität liegt mein Problem mit Ghost Recon Wildlands – es gäbe so viele Möglichkeiten, dieses Spiel kreativ, abwechslungsreich und lustig zu spielen, doch leider funktioniert das wohl nur gemeinsam mit drei Freunden. Nicht jeder spricht beim Spielen gerne per Headset online mit Fremden, weshalb ein koordiniertes Vorgehen mit zufälligen Online-Mitspielern sich äußerst schwierig gestaltet hat und ich Ghost Recon Wildlands bald nur noch offline mit KI-Mitspielern gespielt habe.

Durch die fehlende Kommunikation mit menschlichen Mitspielern konnte ich mich aber umso genauer auf Details konzentrieren, die mir sonst vielleicht weniger stark aufgefallen oder in einer Gruppe aus Freunden zum Running Gag geworden wären. Es sind nicht nur die teilweise wirklich schlecht geschriebenen Dialoge, sondern auch die permanente Verwendung der deutschen Sprache mit spanischem Akzent, die die ohnehin schon recht anspruchslose Story gefährlich nahe an die Grenze des Ernstzunehmenden führen. Mag sein, dass nicht jeder einen Shooter wegen seiner Story spielt, doch das eher abwechslungsarme Missionsdesign ließ mir als Einzelspieler nicht viel Raum zur Entdeckung anderer Qualitäten. Und das ist schade, denn ich bin überzeugt davon, dass Ghost Recon Wildlands viel Spaß machen kann, wenn man das Spiel gemeinsam mit Freunden spielt.

Ich habe oft während Missionen Ideen zu Herangehensweisen gehabt, die ich mit den Möglichkeiten, die mir die KI-Mitspieler bieten einfach nicht umsetzen konnte. Um eine gegnerische Basis zu infiltrieren, könnte z.B. ein Mitspieler von einem höher gelegenen Punkt aus den Scharfschützen spielen, während ein anderer Spieler die Gegner auf einem Motorrad fahrend zu einem gewissen Punkt lockt, zu dem dann die restlichen beiden Mitspieler vom Helikopter aus per Fallschirm abspringen. Ich hätte diese Mission gerne so gespielt, doch zusammen mit den KI-Mitspielern und deren Möglichkeiten ist der Kreativität hier einfach viel zu schnell ein Ende gesetzt. Dabei stört es mich überhaupt nicht, dass Ghost Recon Wildlands sich nicht wie ein trockener Taktik-Shooter anfühlt, sondern einen viel offeneren und dynamischeren Spielablauf forciert. Mit der offenen Welt von Bolivien hat Ubisoft einen optisch sehr schönen Spielplatz geschaffen – doch wie im echten Leben ist es am Spielplatz einfach lustiger, wenn man nicht alleine ist. Wer drei Freunde zum gemeinsamen Losziehen und kreative Ideen hat, wird mit Ghost Recon Wildlands bestimmt sehr viel Spaß haben; wer aber lieber alleine spielt, sollte sich besser nach Alternativen umsehen.

 

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Hinweis: Ubisoft war so freundlich, uns für diesen Beitrag ein Testmuster der PS4-Version des Spiels zur Verfügung zu stellen.

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